Mozart ist und bleibt für viele Musikerinnen und Musiker das Maß aller Dinge. Da macht auch Ludwig Baumann keine Ausnahme. Das von ihm ins Leben gerufene Opernfestival auf Gut Immling mag sich zwar im Laufe der Jahre zum Geheimtipp für Verdi- und Belcanto-Fans gemausert haben, den Anfang nahm jedoch alles mit der „Zauberflöte“ – vor 30 Jahren noch mit dem Intendanten selbst als Papageno.

Zum Festival-Jubiläum nimmt dieser einmal mehr im Regiestuhl Platz und zeigt Mozarts Dauerbrenner als futuristisches Fantasy-Spektakel, bei dem Prinz Tamino zu Beginn als Astronaut in einer fliegenden Untertasse hereinschwebt und gleich nach der Landung sein erstes Abenteuer zu bestehen hat. Als sein eigener Ausstatter arbeitet Baumann dabei immer wieder geschickt mit Projektionen, für die Videodesigner Maximilian Ulrich ein ähnlich farbenfrohes Feuerwerk entfesselt wie Kostümbildnerin Lilli Hartmann. Wobei man vor allem auf skurrilen Humor setzt, wenn sich etwa unter Sarastros Weisheitstempel der Keller einer Brauerei auftut und die Prüfungen des jungen Helden u.a. in die angeschlossene Sky Bar führen.

Ganze Arbeit geleistet hat man vor allem wieder einmal bei der Besetzung. Auch das hat in Immling quasi Tradition, gaben hier doch Stars wie Elena Stikhina oder Lidia Fridman ihre Debüts, bevor sie zu den Salzburger Festspielen oder an die Mailänder Scala abwanderten. Und so sollte man wohl auch Stefanie Knorr im Auge behalten, die als Pamina das Publikum begeistert. Ihr jugendlich frischer Sopran verfügt über eine breite Farbpalette, die den heiteren Tonfall ihres Duetts mit Papageno genauso glaubwürdig abbildet wie die Tauer in der großen g-Moll-Arie „Ach, ich fühl’s“. Knorr lässt hier tief in die Seele der jungen Prinzessin blicken und sorgt so für die nötige Fallhöhe, ehe sie sich gemeinsam mit ihrem Tamino mutig in die finale Prüfung stürzt.

Etwas kurzatmig kommen im direkten Vergleich die Spitzentöne der Königin der Nacht. Das mag bei Suvi Värynen allerdings auch den extremen Temperaturen am Premierentag geschuldet sein – das Thermometer zeigt bei der Ankunft auf dem Immlinger Hügel stattliche 37 Grad in der Sonne. Besser mit der Hitze zurecht kommt Egor Martynenko als Tamino. Sein schlank geführter Tenor gewinnt im Laufe des Abends immer mehr an Durchschlagskraft, darstellerisch dürfte er gerne noch mehr aus sich herausgehen.

Das muss man Sebastian Seitz nicht zweimal sagen. Er schlüpft als Papageno in die ehemalige Paraderolle von Ludwig Baumann, darf aber seinen eigenen Weg gehen. So wird er zum absoluten Publikumsliebling, dem selbst Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock einige Freiheiten gönnt, die es ihm erlauben, mit seinem virilen Bariton aus den Vollen zu schöpfen. Wie schon bei ihren früheren Immlinger Mozart- und Barock-Ausflügen bleibt die musikalische Leiterin erneut einem historisch informierten Klang-Ideal verpflichtet, das vor allem bei den Bläserstimmen auf Transparenz setzt. Kerssenbrock weiß um den philosophischen Gehalt der Partitur. Gleichzeitig bewahrt sie dem Stück dank forscher Tempi aber auch stets sie nötige Leichtigkeit, die das Pathos der Freimaurer-Predigten abmildert und dem Ganzen eine menschliche Note verleiht.

Tobias Hell

„Die Zauberflöte“ (1791) // Singspiel („Große Oper“) von Wolfgang Amadeus Mozart

Infos und Termine auf der Website des Immling Festivals