Frankfurt ist eine der spannendsten Opernstädte im deutschsprachigen Raum schlechthin. Und Opernliebhaber kommen auch im Sommer auf ihre Kosten, wenn die „große“ und mehrfach zum „Opernhaus des Jahres“ gekürte Frankfurter Oper in der Spielzeitpause ist. Denn dann startet die zweite, „kleine“ Kammeroper mit ihrem Programm.

Intendant und Regisseur Rainer Pudenz hat schon seit Jahren in der Konzertmuschel des Palmengartens ein gutes Händchen für sommerlich leichte Stücke – heiter im Libretto, mit Witz und Charme inszeniert und dank maximaler Spielfreude auf der Bühne mit einem dankbaren Stammpublikum. So auch bei dieser „Farsa“, also einer Farce des zum Zeitpunkt der Uraufführung am Venediger Teatro San Moisè im Jahre 1812 gerade einmal 20-jährigen Rossini.

Das italienische Lebensgefühl stellt sich schnell ein, denn im Gegensatz zu manch anderer Sommerspielstätte ist Picknicken ausdrücklich gewünscht. Und so knallen schon weit vor dem ersten Ton die Sektkorken und wird der Nudelsalat gereicht. Auch Dirigent Stanislav Rosenberg und seinen 21 Musikerinnen und Musikern merkt man die Freude am temporeichen Stück voller Finesse an. Dass ein so großer Klangkörper bei der finanziellen Ausstattung die Abende stemmt, ist auch schon ein Wunder. „Wir sind eigentlich bettelarm“, so Pudenz. Was aber der guten Laune auf der Bühne keinen Abbruch tut.

Äußerst wohlwollend ist, dass die Oper in einem modernen Deutsch daherkommt. Auf die italienische Sprache wird bewusst verzichtet, Bariton Thomas Peter (der als Don Parmenione auch die Hauptrolle singt) hat das Libretto ins Hier und Jetzt übersetzt. Verwechslungen, kleine Betrügereien und am Ende das Happy End prägen die Handlung des Stückes. Mit dem Ziel Neapel treffen sich zwei Reisende in einer Schänke: Graf Alberto (stimmgewaltig: David Jakob Schläger) auf dem Weg zu seiner unbekannten Verlobten – und der Don. Letzterer hat einen ängstlich-schusseligen Diener (sehr witzig dargestellt von Leon Tchakachow), der beim Aufbruch beider die Koffer verwechselt. Parmenione macht den besseren Deal, mit den Papieren und der Kleidung des Grafen gibt er sich als dieser aus und will dessen Braut erobern. Doch auch die Braut Berenice (Megan Henry) tauscht ihre Rolle mit der Dienerin Ernestina, die nun als Zukünftige auftritt, während Berenice ihre Zofe spielt. Parmenione hat beim Eintreffen in Neapel nur Augen für Ernestina, während Albertos Herz für Berenice schlägt. Da beide behaupten, Graf Alberto zu sein, ist die Verwirrung groß und das kleine Drama nimmt seinen Lauf.

Doch alles wird am Ende gut: Parmenione gibt sich zu erkennen und findet in Ernestina wiederum den Grund seiner Suche, ist sie doch die verschwundene Schwester eines Freundes. Verlobung. Alberto ist nun der einzig übergebliebene Graf und bekommt seine Berenice. Das Durcheinander endet in allgemeiner Freude und einer Doppelhochzeit – mit der Moral, dass es manchmal eine gute Entschuldigung gibt, wenn „Gelegenheit Diebe macht“.

Torsten Kutschke

„L’occasione fa il ladro“ („Gelegenheit macht Diebe“) (1812) // Burletta per musica von Gioachino Rossini in einer neuen deutschen Übersetzung von Thomas Peter

Infos und Termine auf der Website der Kammeroper Frankfurt